Der Verkehrssektor ist für knapp 30 Prozent der CO2-Emissionen der EU und rund 20 Prozent der CO2-Emissionen Deutschlands verantwortlich. Diese Emissionen sind, im Gegensatz zu anderen Sektoren wie Industrie, Energie oder Landwirtschaft, bis Anfang 2020 auch kaum gesunken. Mit Blick auf die Folgen des Klimawandels besteht hier also die Notwendigkeit neue Wege zu finden, wie sich Personen und Güter über die Straße, die Schiene, durch Wasser oder durch die Luft bewegen können. Gleichzeitig verändern sich auch Bedürfnisse an das Mobilitätssystem: es soll nicht nur einfach zugänglich und bezahlbar sein, sondern auch jederzeit verfügbar und komfortabel.

Neue Optionen hierzu bieten sich v.a. durch Fortschritte in der Entwicklung und digitale Technologien. Sie ermöglichen die Vernetzung und den automatisierten Datenabgleich zwischen mobilen Endgeräten und Transportvehikeln sowie die Optimierung von Verkehrswegen durch Algorithmen und automatisierte Bezahlprozesse. Die zentrale Frage ist, wie mit diesen Technologien das Mobilitätssystem in Richtung Klimaneutralität verändert werden kann, ohne Teile der Gesellschaft abzuhängen oder den Wirtschaftsstandort Deutschland zu gefährden.

Vernetzt und Autonom

Das Auto ist nach wie vor das meistgenutzte Fortbewegungsmittel im Personenverkehr, 83% der Bevölkerung ziehen es dem Bus, dem Zug oder der Tram/U-Bahn vor. Auf 100 Einwohnerinnen und Einwohner entfallen knapp 57 PKWs, womit insgesamt fast 48 Millionen Autos auf deutschen Straßen unterwegs sind. Das Auto ist jedoch nicht nur ein Fortbewegungsmittel mit einem einzigartigen Maß an individueller Mobilität, sondern auch ein Kulturgut.  So ist der Trabant mit der DDR ebenso verknüpft wie das Papamobil mit dem Papst und der Aston Martin mit James Bond.  

Derzeit befindet sich das Bild des Autos jedoch in einer bedeutenden Transformation. Das Auto soll sowohl umweltfreundlicher werden als auch das Bedürfnis nach mehr Freizeit befriedigen. Mit digitalen Technologien wird es nun möglich, Automobile zu teilen und zunehmend Fahraufgaben zu delegieren. Das Auto des 21. Jahrhunderts wird selber fahren können, smarte Dienstleistungen anbieten und sich mit ressourcenschonender Technologie fortbewegen.

In 5 Stufen zum Co-Pilot

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E.V.A. Shuttle
CabiBUS

Auf Schienen unterwegs

Seit der Erfindung von vor 200 Jahren hat sich die Eisenbahn beständig weiterentwickelt und angepasst. Die ersten Vorgänger der Eisenbahn beschränkten sich auf dem Bergbau erst mit der Zeit wurde die Eisenbahn auch zu einem Transportmittel für Menschen. Mit der sich anschließenden Vernetzung einzelner Strecken ergab sich ein Transportnetz, mit dem sich Reisezeiten minimierten und neue Handelsmöglichkeiten ergaben. Heutzutage erfreut sich die Eisenbahn einer erneuten Aufwertung durch den Ruf, klimaschonend zu sein und die Möglichkeit, Staus zu vermeiden und die Fahrzeit als Freizeit zu nutzen. Eine Herausforderung bleibt hierbei, das Bahnnetz aufzubauen. Zudem treibt die Deutsche Bahn die Verringerung ihrer Emissionen voran, z.B. durch die Umstellung auf Ökostrom, und versucht gleichzeitig mit dem Initiativen wie dem Deutschlandtakt Bahnfahren komfortabler zu machen. Auf der anderen Seite werden auch jenseits der Deutschen Bahn neue Gefährte für die Schiene entwickelt, z.B. der Hyerloop.

 

Der Hyperloop

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Mobilitätsplattformen und ÖPNV on demand

Mobilitätsplattformen erleichtern es den Nutzerinnen und Nutzern, sich in Echtzeit über verfügbare Verkehrsmittel zu informieren, diese zu buchen und zu bezahlen. Dabei ist das Ziel, jeder Person zu jedem Zeitpunkt das Verkehrsmittel anzubieten, das für den jeweiligen Bedarf das passendste ist. Soll es besonders schnell gehen? Soll es möglichst kostengünstig sein? Muss etwas Schweres transportiert werden? Ist man in der Gruppe unterwegs oder alleine? Mobilitätsplattformen bündeln die Angebote mehrerer Anbieter: das ÖPNV-Angebot mehrerer Verkehrsverbünde oder gleich die Kombination privater und öffentlicher Anbieter – vom Leihfahrrad über das Mietauto bis zur S-Bahn. Damit sollen individuelle Mobilitätswünsche erfüllt werden, ohne dass es hierfür eines eigenen Fahrzeugs bedarf. Der gewünschte Effekt sind weniger individuelle Fahrzeuge auf der Straße bei gleicher oder sogar besserer Qualität der Mobilität. Besonders im ländlichen Raum ist das Schaffen solcher Angebote besonders herausfordernd. Anders als in dicht besiedelten Städten mit vielen Kunden auf wenig Fläche ist auf Grund der dünneren Besiedlung der Betrieb von Mobilitätsangeboten schwerer wirtschaftlich tragbar zu gestalten. Der ÖPNV bleibt vielmals die einzige Alternative zum eigenen PKW. Für viele Nutzerinnen und Nutzer ist er jedoch nicht flexibel genug oder nicht zu den gewünschten Zeiten verfügbar. Auch hier können digitale Plattformen Abhilfe schaffen. Mit Algorithmen für die Fahrplanung gibt es die Möglichkeit, den ÖPNV zu flexibilisieren, ohne lediglich mehr Busse in umfassenderer Taktung fahren zu lassen. Bestehende Angebote wie Anruf-Sammeltaxen können ausgebaut und flexibler gestaltet werden. Weniger Haltestellen sind notwendig. Denn weiterhin sind zwar feste Ein- und Ausstiegspunkte notwendig, aber es reicht, sie auf einer virtuellen Karte anzuzeigen. Fahrten können so gestaltet werden, das einander unbekannte Menschen mit einer ähnlichen Route zu einer Fahrgemeinschaft werden. Diese on-demand Angebote können bestehende Bus- und Bahnlinien ergänzen, miteinander vernetzen und dazu beitragen, auch zu Randzeiten und in der Fläche ein attraktives und finanzierbares ÖPNV-Angebot zu machen.

RMV on demand